Geschichte unseres Hauses

Eine Klinik in den Dünen –
50 Jahre Berufsgenossenschaftliches Unfallkrankenhaus Hamburg

Der 21. Mai 1959 war ein strahlend schöner Tag. Das Wetter passte zur Stimmung der Gäste, die sich morgens um zehn im kombinierten Turn- und Kinosaal des funkelnagelneuen „Unfallnachbehandlungskrankenhauses Hamburg“ eingefunden hatten. Was sie hier in Bergedorf feierten, war die Einweihung einer der modernsten Unfallkliniken Europas. Die hellen, großzügigen und modern gestalteten Räume des Krankenhauses mit seinen 240 Betten beeindruckten die Besucher. Vom sterilen Weiß oder der Düsterkeit der riesigen Krankensäle, die es in etlichen Häusern der fünfziger Jahre noch gab, war hier nichts zu sehen. Operationsräume, das Schwimmbad und die Einrichtungen der Sport- und Ergotherapie waren auf dem neuesten medizinischen und technischen Stand. Eingebettet waren die Gebäude in schön gestaltete Außenanlagen, die den Patienten eine Oase der Ruhe boten und ihre seelische Gesundung unterstützten.

BUKH 1959 Luftbild

BUKH 1959 Luftbild

In Hamburg und ganz Norddeutschland mangelte es damals an Einrichtungen, die den berufsgenossenschaftlichen Anforderungen genügten. Die Errichtung des BUKH beseitigte diesen weißen Fleck auf der Landkarte. Bevor das Krankenhaus in den Boberger Dünen gebaut werden konnte, hatten die Berufsgenossenschaften als Träger der Einrichtung allerdings noch einige Hürden überwinden müssen. Vor allem galt es, die Behörden der Stadt Hamburg davon zu überzeugen, dass der Bau der Klinik sich mit den Bestimmungen des Landschaftsschutzes vertrug, unter dem das Gelände damals schon stand.

Das BUKH 1959 1959 Eingangsbereich Bettenhaus 1959 moderne Architektur 1959 Patientenzimmer 1959 Treppenhaus

Die treibende Kraft hinter dem gesamten Projekt war der Leiter der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen Günter Otte, der auch der erste Geschäftsführer des Hauses wurde. Ihm zur Seite stand der renommierte Chirurg Prof. Dr. Ludwig Zukschwerdt vom Universitätskrankenhaus Eppendorf. Als Beratender Chefarzt übernahm er die medizinische Ausrichtung des BUKH in seiner ersten Phase. Im Mittelpunkt stand zunächst die Wiederherstellung von Patienten, deren Verletzungen zwar bereits behandelt worden waren, die aber unter Funktionsstörungen ihrer Gliedmaßen litten oder bei denen im Heilungsverlauf Komplikationen aufgetreten waren. Aber auch Akut-Patienten wurden nicht abgewiesen. Schon ein Jahr nach der Eröffnung verfügte das BUKH über einen Landeplatz für Hubschrauber, die damals noch als „rettende Libellen“ für Aufsehen sorgten.

Die Klinik startete mit 240 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Die Schwestern – damals noch in Kleid, Schürze und Haube – wohnten in zwei Schwesternhäusern auf dem Krankenhausgelände. Mitarbeiter, die die ersten Jahre des BUKH erlebt haben, betonen immer wieder, wie familiär und angenehm das Arbeitsklima war. Ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl und das Bewusstsein, zusammen etwas Neues aufzubauen, trug diese erste Generation der Boberger.

Drei Bereiche waren es vor allem, die dem BUKH schon bald einen sehr guten medizinischen und wissenschaftlichen Ruf verschafften und die noch heute zu den „Leuchttürmen“ des Hauses gehören: Die Handchirurgie gemeinsam mit der Plastischen und der Mikrochirurgie, die Behandlung der Schwerbrandverletzten sowie die Therapie und Rehabilitation der Querschnittgelähmten.

1959 Ruhezone 1959 Physikalische Therapie 1959 Sporthalle 1959 Ergotherapie 1959 Schwimmhalle

Den Patienten Diagnose, Therapie und Rehabilitation auf dem jeweils neuesten Stand zu bieten, war immer die Leitschnur für die Entscheidungsträger und Mitarbeiter des BUKH. Eine lange Reihe von Umbau-, Modernisierungs- und Neubaumaßnahmen schuf dafür den äußeren Rahmen. Das wichtigste und größte Bauvorhaben in den siebziger Jahren war das Querschnittgelähmten-Zentrum. Es hatte Modellcharakter weit über Hamburg hinaus, weil es konsequent an den Bedürfnissen der Patienten ausgerichtet wurde, denen es nicht nur als Krankenhaus, sondern auch als Lebensraum während der Reha-Phase dient.

Das Klinikgelände aus der Luft

Das Klinikgelände aus der Luft

Einen enormen Schub in der Entwicklung des BUKH brachte die „Zielplanung 2000“, ein Modernisierungsprojekt, das von Mitte der achtziger Jahre bis zur Jahrtausendwende dauerte. Ein neu errichtetes Bettenhaus, moderne Untersuchungs-, Operations- und Pflegeräumen und eine fast verdoppelte Fläche verliehen dem Haus ein völlig verändertes Gesicht. Diese Maßnahmen sicherten nicht nur den hohen medizinischen und technischen Standard des BUKH, sondern schufen auch die Voraussetzungen für einen starken Ausbau der Akutbehandlung Ende der achtziger Jahre. Diese Neuorientierung brachte eine steigende Zahl von Operationen und eine Umstellung des Betriebs mit bedeutend mehr Nacht- und Bereitschaftsdiensten mit sich. Ärzte und Pflegekräfte trugen die Umstrukturierung engagiert mit in dem Bewusstsein, dass sie der Boberger Klinik neue und zukunftsweisende Perspektiven eröffnete. Die Stationierung eines Notarztwagens und eines Hubschraubers auf dem Gelände unterstrich die gewachsene Bedeutung der Akutmedizin. Die Unfallchirurgie ist mittlerweile längst zu einem weiteren Markenzeichen des Hauses geworden – auch in wissenschaftlicher Hinsicht: Mit innovativen Operationsmethoden und Implantattechniken stehen die Boberger Mediziner in der vordersten Reihe der Forschung.

BGSW-Gebäude Schwimmhalle Hörsaal Traumatologische Intensivstation Magnetresonanztomograf

Für den berufsgenossenschaftlichen Trägerverein war die Vollendung dieses Großprojekts aber kein Schlusspunkt, sondern nur der Auftakt zu weiteren Modernisierungsmaßnahmen, die bis in die Gegenwart reichen. Dazu gehören neue Einrichtungen für die Physikalische Therapie, die Neurologie und Neurochirurgie, die Rehabilitation und die Versorgung der Querschnittgelähmten. Mit dem Abriss des Bettenhauses West verschwand 2003 das letzte der vollständig erhaltenen Krankenhausgebäude aus der Anfangszeit.

Nachdem zwei Jahrzehnte lang die Akutmedizin im Vordergrund stand, wird zurzeit als zweites Standbein der Reha-Bereich stark ausgebaut. Mit dem Zentrum für Rehabilitationsmedizin und dem Gebäude für die Berufsgenossenschaftliche Stationäre Weiterbehandlung (BGSW), die beide vor Kurzem eröffnet wurden, ist das BUKH dabei, sich als norddeutsches Kompetenzzentrum für den Reha-Bereich zu profilieren. Damit schließen die jüngsten Entwicklungen in Boberg an die Anfänge des „Wiederherstellungskrankenhauses“ an – allerdings auf einem Niveau, von dem man vor 50 Jahren nicht einmal träumen konnte.